E-Mail an BIO-TRIO
 
 





Artikel aus www.bioinformation.at

 
 


Geburtsstunde der Gentechnik

Die Grundlagen der gentechnischen Entwicklung reichen in eine Zeit weit vor den Augustinermönch Gregor Mendel zurück, während die eigentliche Geburtsstunde der Gentechnik in unsere Zeit datiert.
Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?
Nicht umsonst treffen diese drei grundsätzlichen Fragen der Philosophie seit jeher den Nerv der Bewusstseinsfindung des einzelnen Menschen. Egal, ob unser Dasein nun einem göttlichen Plan entspringt oder einem Zufall oder einer extraterrestrischen Induktion zu verdanken ist – immerfort drängt es uns danach die Essenz dessen was wir sind schwarz auf weiß erfassbar zu machen.
Schon frühzeitig machten sich Forscher daher auf den Weg, den Schlüssel zur Vererbung und zum Code des Lebens zu finden.

Ethische Grenzen?
Die philosophische Grundlage der Wissenschaft ist äußerst vielfältig und reicht bis Aristoteles zurück. Vererbung und Gentechnik sind Forschungsgebiete, in denen der Betrachtung des lebenden Mitgeschöpfes als Forschungsobjekt eine ganz besondere Rolle zukommt.
Wo liegen die ethischen Grenzen, die selbst zum Nutzen des Gemeinwohls nicht überschritten werden dürfen?


Philosophische Grundlage der Gentechnik
René Descartes (1596 – 1650) fand eine einfache Lösung: Indem er selbst den Menschen als „Gliedermaschine“ betrachtete, stellte er das lebende Mitgeschöpf außerhalb der ethischen Verantwortung. Schmerzlaute von Tieren wurden im Zuge seiner Forschungen als mechanische Geräusche von Maschinen angesehen.
Die Loslösung des Intellekts von der Gefühlswelt („Cogito ergo sum - Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs") hat bis in die heutige Zeit als populäres Motto überdauert und wird als notwendige Distanzierung des Wissenschaftlers vom Individuum besonders in den Bereichen Medizin und Biotechnologie (Gentechnik) praktiziert.


1865 - Gregor Mendel: Anfänge der wissenschaftlichen Genetik
Bereits im 18. Jahrhundert wurde vermutet, dass irgendeine Form von Erbanlagen existiert. Der Augustinermönch Gregor Johann Mendel (1822-1884) konnte diese Annahme durch seine Forschungsarbeiten bestätigen. Seine Kreuzungsversuche an Erbsen ermöglichten es ihm, die Vererbung von Merkmalen mit Hilfe mathematischer Regeln zu beschreiben (Mendelsche Regeln). 1865 veröffentlichte er seine Versuchsergebnisse - die Vererbungslehre wurde zur Wissenschaft.


1869 - Friedrich Miescher: DNA (Desoxyribonecleinacid, Desoxyribonukleinsäure)
Der Basler Friedrich Miescher (1844 – 1895) entdeckt die DNA als eine Art Riesenketten-Molekül, als es ihm 1869 gelang einen Strang DNA aus Kernen von Eiterzellen zu isolieren.


1909 - Wilhelm Ludvig Johannsen: Definition „Gen“
Der dänische Botaniker Wilhelm Ludvig Johannsen (1857 - 1927) definierte die Begriffe „Gen“ (von griechisch „gebären“), „Erbgut“ und „Phänotyp“ .
Einzelne Abschnitte der DNA, welche die Information für die Ausprägung bestimmter Merkmale tragen, werden seither als „Gene“ bezeichnet.


1910 - Boveri, Sutton und Morgan: Chromosomen
Thomas Hunt Morgan (1866 – 1945), Theodor Boveri (1862-1915) und Walter Stanborough Sutton (1876-1916) wuchsen bereits mit dem Wissen um die Mendelschen Regeln auf.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten Boveri und Sutton die Chromosomen theorie und formulierten damit die Grundlagen der modernen Genetik.
Thomas Hunt Morgan (Nobelpreis für Medizin 1933) wies im Jahre 1910 durch seine Forschung an der Taufliege (Drosophila melanogaster) die lineare Anordnung der Gene auf den Chromosomen nach. Er erstellte Chromosomenkarten und entwarf damit eine erste „Landkarte der Erbinformation“.


1938 - Rudolf Signer: Nukleinsäuren
Der Schweizer Rudolf Signer (1903 – 1990) entdeckte 1938 die Nukleinsäuren als Träger der Erbinformation und leitete daraus bereits eine Vermutung über die Doppelhelix-Struktur der DNA ab.


1953 – Watson, Crick und Wilkins: Doppelhelix
Die DNA gleicht in ihrem Aufbau einer um die eigene Achse gewundenen Strickleiter (Doppelhelix ). 1953 entdeckten James D. Watson (*1928) und Francis H.C. Crick (*1916) nicht nur die Struktur der DNA, sondern konnten mit Hilfe ihres Doppelhelix-Modells auch erklären, wie die Eigenschaften (z.B. Hautfarbe) an die nächste Generation vererbt werden.
1962 erhielten sie gemeinsam mit dem Neuseeländer Hugh Frederic Wilkins (1916 – 2004) „für ihre Entdeckung über die Molekularstruktur der Nukleinsäuren und ihre Bedeutung für die Informationsübertragung in lebender Substanz" den Nobelpreis für Medizin.
Wilkins wies mit Hilfe der Röntgenbeugungsspektroskopie nach, dass die Doppelhelix tatsächlich existiert.


1955 - Severo Ochoa: Synthese von RNA
Dem Spanier Severo Ochoa (1905 – 1993) gelang 1955 als erstem die künstliche Herstellung von biologischem Erbgut - die Synthese der Ribonukleinsäure (RNS ). 1959 erhielt er dafür den Nobelpreis für Medizin.
1968 – Viktor McKusick: Genlocus
1968 gelang es dem Genetiker Viktor McKusick (*1922) den ersten Ort für ein bestimmtes Gen („Genlocus“) auf einem menschlichen Chromosom einem definierten Protein zuzuordnen. McKusick ist davon überzeugt, dass es möglich ist, eine Krankheit zu heilen, wenn man ihren genetischen Ursprung auf den Chromosomen lokalisieren kann.
1988 wurde unter seiner Leitung in der Schweiz ein internationales Wissenschaftergremium (HUGO – „Human Genome Organization“) gegründet, um die weltweiten Forschungen am menschlichen Genom zu koordinieren.


1972 - Cohen und Boyen: Geburtsstunde der Gentechnik
Stanley N. Cohen (*1922, 1986 Nobelpreis für Medizin) und Herbert W. Boyen (*1933) gelingt es 1972 erstmals, fremde Gene erfolgreich in einen lebenden Organismus zu übertragen. Sie schnitten Erbmaterial aus einem Bakterium heraus und integrierten es in das Erbmaterial eines anderen Bakteriums. Kurze Zeit darauf wurde die Artgrenze überschritten: sie übertrugen einem Bakterium Frosch-Gene. Von nun an konnte die Erbsubstanz erfolgreich von Menschenhand verändert werden.